2010-07-28
Ich habe die letzten zwei Monate verstärkt meinen 1-jährigen Sohn betreut - und dafür die zwei zusätzlichen "Vätermonate" der neuen Elternzeitregelung in Anspruch genommen.
Dies soll nun nicht lediglich als Entschuldigung für die stark nachgelassene Aktivität auf dieser Plattform dienen, sondern Anlass geben für ein relativ persönliches Resümee zu Vaterschaft, Elternzeit und Karriere.
Die Frage, ob die beiden zusätzlichen Vätermonate überhaupt in Anspruch genommen werden sollten, stellte sich auf familiärer Ebene dabei zunächst nur oberflächlich. Die finanzielle Absicherung wäre auch für zwei zusätzliche Monate ausreichend und schließlich galt es, den Zeitraum bis zur Aufnahme in die KiTa zu überbrücken und den Kleinen dort einzugewöhnen. (Weitere "sachliche" Fragestellungen oder Bedenken kamen eigentlich nicht auf, nachdem ich vor einigen Jahren während einer Zeit der Nichtbeschäftigung meine Tochter ab dem 2. Lebensmonat quasi "im Alleingang" betreut hatte...)
Die weitaus wichtigeren zu berücksichtigenden Faktoren lagen darin, wie sich die Inanspruchnahme der zusätzlichen Vätermonate auf meine beruflichen Aussichten auswirken würde. Die potenziellen Probleme sah ich vor allem in der unterschwelligen Natur von negativen Konsequenzen, da ja die rechtliche Lage und der Anspruch grundsätzlich vollkommen klar sind. Nach langem und zähen Ringen mit mir selbst entschloss ich mich schließlich, meiner Geschäftsführugn anzubieten, meine wöchentliche Arbeitszeit lediglich auf 50% zu reduzieren, so lange ich mir diese frei einteillen könne, da dies bei der Berufstätigkeit meiner Frau im Schichtbetrieb unbedingt nötig war.
Trotz meiner Bemühungen, zu kommunizieren, dass dies ein deutliches Entgegenkommen meinerseits gegenüber der Firma sei, bin ich bis heute mehr als skeptisch, ob dies gelungen ist. Die zusätzlichen 200,- Euro pro Monat, die ich so mit meiner fortgesetzten Tätigkeit auf Halbtagsbasis erwirtschaftete, waren dabei ein eher schwacher Trost (...und wurden fast vollständig von Fahrt- und Opportunitätskosten sowie frustrationsbediingte Mehrausgaben für Schokolade und Alkohol aufgezehrt). Volles Verständnis hingegen erfuhr ich von meinen Kollegen und -innen.
Es begann ein organisatorischer und logistischer Alptraum bei der täglichen Planung von Transportgelegenheiten, Betreuungssituationen für zwei Kinder und Arbeitszeiten für zwei Erwerbstätige, der ohne die Unterstützung von Großeltern bei Betreuung und Automobilität kaum zu bewältigen gewesen wäre. Damit wurde meine Elternzeit dann fast vollständig auf den Minimaleffekt der Sicherstellung der Betreuung reduziert (und teilweise nicht einmal das). Die wenigen Gelegenheiten, darüber hinaus "väterlich" tätig zu werden, waren dabei stets von einem Meer von Notwendigkeiten umspült.
Dies führte alles in allem dazu, dass ich schließlich bereut habe, für die zwei Monate nicht vollständig aus meiner beruflichen Tätigkeit herausgegangen zu sein. Dass dies die von mir befürchteten negativen Auswirkungen auf meine Karriere zementiert hätte, ist das einzige, was mich im Nachhinein in meiner Entscheidung bestärkt - allerdings nicht tröstet.
Ob eine längere, "echte" Betreuungszeit von vielleicht 6 Monaten hilfreicher gewesen wäre, was die Akzeptanz angeht, kann ich nicht beurteilen. Ich vermute aber, dass den zwei Monaten ein "Geschmäckle" von Urlaub anhängt, was dazu führt, dass diese Zeit nicht ernst genommen oder als wichtig angesehen wird. Und die Toleranz von Geschäftsführung und Kollegen wird auch genau auf dieser Ebene angesprochen und beansprucht (positiv wie negativ).
Für mich persönlich - und denitiv auch für meinen kleinen Sohn - war die gemeinsam verbrachte zusätzliche Zeit ein Segen. Die Regelung, dies mit kalkulierbaren finanziellen Einbußen für die Familie in Anspruch nehmen zu können, kam uns auf vielerlei Weise entgegen. Dass sie durch berufliche Bedenken derart relativiert wurde, ist mehr als bedauernswert.
Weiterführende Informationen:
http://www.vaeter-zeit.de/index.php
http://www.eltern.de/.../vaetermonate-unternehmen.html
http://www.bmfsfj.de/...thema-elterngeld.html