“Ein Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung Dinge sieht, wie sie sind, statt wie sie sein sollten.” - Ambrose Bierce

Ach ja, die lieben Kollegen! Eine eingeschworene Gemeinschaft, ein Team, wo alle am selben Strang ziehen - nur nicht unbedingt in die selbe Richtung! Bei aller geheuchelten Teamfähigkeit bleibe ich dabei tief in Inneren doch ein Einsamer Wolf, El Lobo, der dem Rudel nur vorspielt, mit ihm zu laufen. Ständig umgeben von gallopierender Inkompetenz organsiere ich meine Arbeitsabläufe selbst und jage mein virtuelles Wild ohne Rücksicht auf die anderen, die lediglich mit den Wölfen heulen. Ja, das Büro ist meine Wildnis!

So muss ich mir dann auch so manches Knurren und Grollen aus tiefster Kehle verkneifen, wenn wieder einmal eine/r der lieben Kollegen/-innen meine Kreise stört oder mich gar mit ungewollten "Wohltaten" bedenken will.

Zum Beispiel Kaffee mitbringen - nach dem x-ten Mal sollte es doch langsam klar sein, dass ich beim besten Willen keinen Kaffee mitgebracht haben möchte, auch wenn ich anscheinend am Koffein-Tropf zu hängen scheine. Schließlich ist es bei der Vielzahl der "Kaffee-Schaffenden" jedesmal ein Glücksspiel, ob es sich um Blümchen-Kaffee handelt oder man den Löffel frei in der Tasse stehen lassen kann. Von der Unzahl der wechselnden Kaffeemarken im Umlauf ganz zu schweigen. Da ist es dann ohnehin jedesmal ein Akt der farblichen Feinabstimmung, durch hinzufügen von Milch den richtigen "Bräunungsgrad" zu produzieren, um ein Heißgetränk zu komponieren, dass neben seiner primären Funktion, der Koffeinzufuhr, zumindest nicht allzu abstoßend schmeckt. Mich dabei auf Gedeih und Verderb dem Gutdünken eines Anderen auszuliefern ist eine geradezu absurde Vorstellung, die schließlich auch in den Hirnwindungen der lieben Mitarbeiter schon einmal aufgeblitzt sein sollte, wenn sie sich abermals wundern, warum ich ihr Angebot, mir einen Kaffee zu holen, erneut schroff und offensichtlich undankbar abblitzen lasse.

Ein ebenso unfreundlich aufgenommer Akt kollegialer Hilfsbereitschaft ist das Mitbringen von Papieren aus dem gemeinsam genutzen Drucker. Beim Abarbeiten von E-Mail-Verkehr und dergleichen fällt so Manches an, was der wälderzerstörenden Aktivität des Druckers übergeben werden muss. Und dabei erscheinen dann immer wieder regelmäßig Kollegen mit Teilerträgen meiner Druckausbeute und legen sie mir Anerkennung heischend auf den Schreibtisch - am besten auf irgendeinen Platz, den sie für "frei" oder geeignet halten, wie z.B. das Telefon. Nicht nur, dass man mich dadurch meines dringend benötigten "Auslaufs" beraubt, ich kann dann auch spontan diejenige Arbeit unterbrechen, die ich gerade für wichtiger gehalten habe, als einige Dokumente aus dem Drucker zu holen. Aber wenigstens komme ich dann in der Hälfte der Fälle doch noch zu meiner Bewegung, da mir nur ein Teil der auszudruckenden Papiere mitgebracht wurde und ich mir den Rest zusammensuchen und neu ordnen darf - mit etwas Glück darf ich dazu sogar eine große Bürorunde machen, falls ein anderer "hilfsbereiter" Kollege das Gesuchte mehr oder weniger kommentarlos auf irgendeinem passend erscheinenden Schreibtisch deponiert hat.

Na dann los auf die Pirsch bevor mir noch ein "lieber Kollege" was Gutes (an)tun will...