2010-05-13

Hinter den Möglichkeiten zurückgeblieben : WAR FOR TALENTS

Am Abend des 11. Mai fand in den Räumlichkeiten der Hertie School of Governance der XV. „Interdisziplinäre Salon für Europa“ zum Thema Personal­gewinnung der Zukunft statt. An der vom Forum46 moderierten Podiumsdiskussion nahmen dabei Dr. Michael Ensser (Egon Zehnder International GmbH), Prof. Dr. Gerhard Hammerschmid (Hertie School of Governance) und Veit M. Etzold (Think Tank 30 Deutschland) teil. Einen einleitenden Impulsvortag zu den relevanten Aspekten der Thematik gab Frau Dr. Ina Fliegen für JobTicket GmbH.

Die drei Diskussions­teilnehmer wussten durch ihre kompetenten Beiträge zu über­zeugen, wie auch der einleitende Vortrag eine ausge­zeichnete Einstimmung leistete - gerade für die vielen "fachfremden" Teilnehmer der inter­disziplinären Veranstaltungs­reihe. Schwerpunkte der Diskussion, der es gelegentlich an gegensätzlichen Meinungen mangelte, waren die Definition von "Talent", die Rolle öffentlicher Arbeitgeber auf der Suche nach Spitzen­kräften und die Kurz­fristigkeit der Personal­strategien vieler Unternehmen.

Leider hinderten zwei maßgebliche "Pferdefüße" die Veranstaltung daran, rundum ein voller Erfolg zu werden. Zum einen war der geschlossene Teil der Podiums­diskussion zu ausgedehnt - viele der Teilnehmenden mussten lange Zeit ihr Bedürfnis zur eigenen Meinungs­bekundung unterdrücken und verloren durch den somit erzwungenen Konsum von "Fremdmeinungen" dann auch langsam die Motivation zur aktiven Teilhabe. Und zum anderen sorgte die Moderation für einen zu oberflächlichen Verlauf des Gespräches, bei dem das Podium zwangsläufig hinter seinen Möglich­keiten zurückbleiben musste - hier hätte man viel pointierter auf die thematischen Schwerpunkte der Veranstaltung hinarbeiten müssen statt stets den jeweiligen Stand der Diskutierenden abzufragen auf auf deren Spezialgebiete hinzulenken.

So blieben dann auch viele der Kernfragen fast unberührt: Migration, die Zukunft des Erwerbslebens, der Gegensatz zwischen globalen Strukturen und nationalen Gesellschaften sowie die konkreten Ausprägungen des Wettbewerbes um die besten Talente (etwa zwischen Großkonzernen oder in der Auseinandersetzung mit KMU) wurden zugunsten eher randständiger Interessen und Aspekte (auf die sich die Moderation anscheinend vorbereitet hatte) vernachlässigt. Dass dies auch vom Publikum so empfunden wurde zeigte sich deutlich während der (zu) kurzen angeschlossenen Phase der offenen Diskussion und am regen Interesse auf welches Ina Fliegens einleitender Vortrag noch im Nachgang des offiziellen Teils stieß.

Fazit: Das Potenzial war da, konnte aber leider nicht vollständig abgerufen werden - und dies gerade im Hiblick auf die Kernkompetenzen "europäisch" und "interdisziplinär".