5. Schreiben im Internet

Von den Aussagen zum allgemeinen und internetspezifischen Leseverhalten lassen sich direkt Maßnahmen zum Verfassen von Texten ableiten. So existiert denn auch bereits eine große Menge an Literatur zur Textverständlichkeit und Anleitungen zum Verfassen optimal verständlicher Texte, von denen hier die Zusammenstellung von Prestel aufgeführt wird:[i]

kurze, geläufige, konkrete und anschauliche Wörter nutzen

Bilder, Grafiken und Abbildungen unterstützen die Anschaulichkeit von Texten

Syntax: einfache, aktiv-affirmative und deklarativ formulierte Sätze gebrauchen

Satzverschachtelungen vermeiden

häufige Nominalisierungen erschweren die Verständlichkeit

kurze Sätze sind leichter zu verstehen als lange Sätze

eine Erhöhung der Redundanz z. B. durch Wiederholungen, Synonyme, Verwendung allgemeinerer Ausdrücke oder Verneinungen kann positive Auswirkungen auf die Behaltensleistungen von Rezipienten haben, während bei einer Reduktion weder positive noch negative Auswirkungen nachgewiesen werden konnten

Vermeidung syntaktisch-stilistisch schwieriger Sätze

Verwendung von Vorstrukturierungen (Advance Organizer)

Zusammenfassungen geben

Hervorhebungen, Unterstreichungen, Überschriften, sequentielles Arrangieren, Randbemerkungen, Fragen einsetzen, also Mittel, mit denen die kognitive Gliederung des Textes gestärkt wird

Hierzu sollen an dieser Stelle nur die wichtigsten Grundlagen zur allgemeinen Textgestaltung aufgegriffen und auf ihre Anwendung im spezifischen Kontext des Abfassens von Stellenanzeigen für die Publikation im Internet übertragen werden.

5.1. Textoptimierung für Stellenanzeigen im Internet

Zwischen den oben aufgeführten Prinzipien MAYA (intellektuell anregend / komplex) und KISS (einfach / klar / informativ) steht der Rezipient als Zünglein an der Waage. Dieser ist – im Gegensatz zu vielen anderen Publikationsformen im Internet – im Kontext einer Stellenanzeige glücklicherweise gut bekannt und kann (und muss) darum gezielt in die Textkonzeption mit einbezogen werden. Wenn es eine bestimmte Bandbreite bei der gewünschten Zielgruppe, hier den Stellensuchenden, gibt, sollte dies auch im Text explizit ausgedrückt werden, wozu sich etwa Anforderungsprofile ganz hervorragend eignen. Doch auch darüber hinaus sollte der Text die Interessen und Bedürfnisse seiner Zielgruppe abdecken. Dies geschieht etwa durch die Wahl eines angemessenen Sprachregisters und Tonfalls, mit dem man beispielsweise Berufseinsteiger, Führungspersönlichkeiten oder Spezialisten aller Art gezielt anspricht.

Bei den meisten Lesern von Stellenanzeigen kann man voraussetzen, dass bei ihnen das Bedürfnis nach Information gegenüber demjenigen nach Unterhaltung überwiegt – dem sollte auch Rechnung getragen werden, ohne in langatmige und schematische Formulierungen bei Firmen- und Positionsbeschreibungen zu verfallen. Solange alle relevanten Fakten einfach zugänglich sind, ist eine reizvolle Unternehmenspräsentation jederzeit den allzu oft üblichen Verweisen auf langjährige Firmentraditionen und Marktführerschaften in bestimmten Segmenten vorzuziehen.

Es ist weiterhin sinnvoll, die Text im Sinne Nielsens „scannable“ zu gestalten – die essenziellen Elemente sollten sich dem Leser möglichst schnell erschließen, um ihn interessiert und bei der Stange zu halten. Dazu werden folgende Empfehlungen ausgegeben, die man je nach Gesamtkonzept zumindest stets im Hinterkopf behalten sollte:

hervorgehobene Schlüsselbegriffe: etwa durch Wechsel der Schriftart, Fettschreibungen oder farbige Schrift – Unterstreichungen sollten jedoch Hyperlinks vorbehalten bleiben

bedeutungsvolle Überschriften und Gliederungselemente

Auflistungen mit Listenpunkten

ein Grundgedanke / Konzept pro Absatz – ansonsten werden weitere Konzepte leicht überflogen / überlesen

halb so viele Worte wie in konventionellen Texten

Von der technischen Seite her betrachtet, wäre es für den Text vorteilhaft, wenn in ihm aussagkräftige und für die Branche und das Berufsfeld typische Schlagworte enthalten wären, die bei einer Volltextsuche durch die Mechanismen der Stellenbörsen aufgegriffen werden können. Weiterführende Hintergrundinformationen sollten allerdings besser in den Hypertext „ausgelagert“ und über einen Link auf die eigene Homepage zur Verfügung gestellt werden. Genauso sind fremdsprachliche Texte – zumeist in Englisch – mit Vorsicht zu handhaben, denn selbst wenn es inhaltliche Gründe für das Abfassen in einer anderen Sprache zur Veröffentlichung in deutschen Stellenbörsen gibt, kann man doch nicht davon ausgehen, dass auch mit Schlagworten in dieser Sprache gesucht wird. Auf keinen Fall sollte die Verständlichkeit beim Schalten einer fremdsprachlichen Anzeige auf dem Brandaltar der Corporate Identity geopfert werden. Die von vielen Portalen angebotene Möglichkeit zum Hinterlegen zusätzlicher Schlagworte kann hier Abhilfe schaffen, im Quelltext der HTML-Anzeige hinterlegte „unsichtbare“ Schlagwörter werden hingegen, je nach Auslegung des Suchmechanismus und der Struktur des HTML-Codes, nicht immer ausgewertet.

5.2. Abgeschmeckt – letzte Feinheiten und Details

Nun zu den letzten Feinheiten: Eigentlich selbstverständlich ist eine korrekte Rechtschreibung im Text – hier leistet ein Lektorat durch jemanden, der mit der Erstellung des Textes nicht unmittelbar befasst war, unschätzbare Dienste. Und wer meint, es käme auf derlei „Kleinigkeiten“ und „Schönheitsfehler“ nicht an, möge sich kurz vor Augen halten, wie er dergleichen im Anschreiben einer Bewerbung beurteilen würde.[ii]

Auf Blocksatz sollte verzichtet werden, denn neben den eingangs angesprochenen technischen Problemen hemmt er den Lesefluss. Letzterer wird beispielsweise durch bekannte und klare Schriftarten in angemessener Schriftgröße (nicht unter 10 pt) gefördert.

Bei der Formulierung des Textes sollte Wert auf Authentizität und Glaubwürdigkeit gelegt werden und jeder Text sollte deutlich erkennbare individuelle Aspekte aufweisen. Auf diese Weise wird jenseits von schablonenhaften Beschreibungen das suchende Unternehmen und die ausgeschriebene Stelle als genauso einzigartig dargestellt, wie auch der Stellensuchende als Persönlichkeit direkt einbezogen und angesprochen wird.

Mit Sicherheit lassen sich nur in den seltensten Fällen alle oder auch nur ein großer Teil der hier angesprochenen Verfahrensweisen anwenden – doch sich vor dem Verfassen einer Stellenausschreibung die Bedingungen und Möglichkeiten vor Augen zu führen ist mehr als nur ein Schritt auf dem Weg zur erfolgreichen Besetzung.

6. Weiterführende Quellen / Ressourcen:

Groeben, Norbert / Christmann, Ursula: Textoptimierung unter Verständlichkeitsperspektive. In: Textproduktion. Ein interdisziplinärer Forschungsüberblick, Hg. v. Gerd Antos und Hans

P. Krings. Tübingen 1989

Stöckl, Hartmut: Die Sprache im Bild - Das Bild in der Sprache. Zur Verknüpfung von Sprache und Bild im massenmedialen Text. Konzepte · Theorien · Analysemethoden, Walter de Gruyter GmbH & Co. KG. Berlin · New York 2004

Wirth, Thomas: Missing Links. Über gutes Webdesign. München und Wien: Hanser 2002

Weiterführende Ressourcen im Internet:

Bild und Text

http://www.teachsam.de/pro/pro_werbung/werbesprache/anzeigenwerbung/pro_werbung_spr_anz_3_3_2_3_3.htm

http://www.teachsam.de/arb/bild/bildkom/bildkom_1.htm

Leseverhalten

http://www.lesen-in-deutschland.de

Schreiben im Internet

http://www.webdesign-referenz.de/designtheorie_fonts.sHTML

Textverständlichkeit

http://projekte.linse.uni-due.de/verstaendlichkeit/Praxis2.htm