Social Media und Karriere ein kurzer Überblick für Einsteiger

Der Medienkonsum hat sich in den letz­ten Jahren immer stärker in die virtu­ellen Welten des Internets verlagert und dabei grundlegende Verände­rungen durchlaufen. Unter dem Schlagwort Web 2.0 verbirgt sich ein grund­legender Wandel der medialen Kultur von einer Konsum­kultur zu einer Partizipations­kultur. Das Internet der „zweiten Generation“ lebt von der aktiven Teil­nahme seiner Teilhabenden. Seine Inhalte werden nicht von Nerds und Geeks in finsteren Löchern bereitgestellt – ohne unterstellen zu wollen, dass dies jemals der Fall gewesen ist. Heutzutage wird es nicht nur für die „digital natives“ immer selbstverständlicher, die Welt des Internets mitzugestalten, die eigene Person einzubringen und mit anderen zu vernetzen.

Die Menschen verbringen signifikante Anteile ihres Lebens online – privat und beruflich, wobei die Grenzen immer mehr verschwimmen. So sind dann auch die Social Media – Facebook, XING, Twitter & Co. endgültig in der Welt der Wirtschaft, der Unternehmen und des Personal­wesens angekommen. Dies belegt unter anderem die Studie “Social Media Report HR 2010”, für die Personalverantwortliche in deutschen und österreichischen Unternehmen befragt wurden und die die Basis für viele der nachfolgend heran­gezogenen Daten darstellt.

Was gibt es hier für Möglichkeiten, die eigene Karriere positiv zu beein­flussen, auf welche Fall­stricke muss man achten und welche Strate­gien haben Potenzial?

Welche sozialen Netzwerke sind relevant für die Karriere?

Personaler haben angegeben vor allem die folgenden Netzwerke als In­stru­mente des Personal­­wesens einzusetzen: an erster Stelle steht hier das deutsche Business-Netzwerk XING, gefolgt von einem Dreigestirn aus Facebook, dem Micro­blogging-Dienst Twitter und dem internationalen Business-Netzwerk LinkedIn. Der VZ-Gruppe (SchülerVZ, StudiVZ, MeinVZ) wird auf diesem Sektor eine absteigende Tendenz bescheinigt und andere soziale Netz­werke (Wer-kennt-wen, Lokalisten etc.) sind bestenfalls von lokaler Bedeutung.

Wie gehen Unternehmen mit Social Media um?

Neuesten Untersuchungen zufolge nutzen bereits 39% der Personal­­verantwortlichen in deutschen Unternehmen soziale Netzwerke für ihre Rekrutierungs­prozesse. Darüber hinaus planen weitere 27%, dies in nächster Zeit zu tun. 60% der Unter­nehmen, die Social Media als Rekrutierungs­­werkzeug nutzen, haben im letzten Jahr konkret Personal über diese Kanäle eingestellt.

Dabei überprüfen 55% der Personaler online die Repu­tation von Bewerbern – vor allem bei denjenigen, die in eine engere Auswahl kommen. Hier werden zwar in erster Linie Bewerber für Führungs­posten und Fachpersonal „durch­leuchtet“, doch auch Absol­venten und sogar Prakti­kanten und Azubis stehen noch auf der Liste. Bei 15% der so in Augen­­schein genommenen Bewerber hat diese Prüfung zu einer Ablehnung geführt.

Darüber hinaus sind auch die Unternehmen selbst zusehends in den Netzwerken anzutreffen, angefangen beim persönlichen Profil, das 90% der Personaler selbst unterhalten, bis zur Firmen­fanpage oder der viralen Werbekampagne mit originellen Webvideos.

Wie sollte man selbst in Netzwerken agieren und auftreten?

An dieser Stelle soll keineswegs das oft herauf­beschworene Bild von den Party- und Saufgelage-Fotos über­strapa­ziert werden – genauso wenig der Umstand, dass das Inter­net „nie vergisst“. Dies sei getrost der Medien­nutzungs­kompetenz jedes Einzelnen über­lassen. Die eigene Karriere sollte man hingegen nachhaltiger medial untermauern und vorbereiten, indem man gezielt Profile anlegt und Kontakte pflegt. Dafür bieten sich in erster Linie die vorgenannten Netzwerke XING, Facebook und LinkedIn an. Hier sollte man nur Dinge von sich veröffentlichen, die auch in jeder Personalabteilung bedenkenlos gelesen werden können – besser noch wären Fakten, die darüber hinaus als echte Empfehlungen dienen können. Auch empfiehlt es sich, solche Profile rechtzeitig zu etablieren, um sie sukzessive aufbauen zu können. So können dann auch neue Kontakte – etwa aus Praktika, Projekten oder von anderen Gelegenheiten – umgehend integriert und konsolidiert werden, bevor sie sich wieder verflüchtigen. Grundsätzlich gilt, je mehr positiver und konstruktiver Content online vorliegt, um so weniger relevant werden eventuelle „Ausrutscher“ – und diese Inhalte kann und sollte man selbst erzeugen und gestalten.

Welche anderen Möglichkeiten bieten Social Media?

Auch die Suche nach Jobs aller Art – vom Praktikum bis zur hochdotierten Führungsposition – lässt sich über die sozialen Netzwerke unterstützen und betreiben. So werden etwa innerhalb der Business-Netzwerke beständig Stellen ausgeschrieben und auch über Twitter tickern in Echtzeit Stellenangebote durchs Netz. Um dies allerdings effektiv nutzen zu können, sind bestimmte Strategien notwendig: So ist es unabdingbar, in den Business-Netzwerken die Kriterien für die automatische Zuordnung von Stellenangeboten auf das eigene Profil zu konfigurieren. Auch muss man erfolgversprechenden Anbietern – seien es Stellenbörsen, bestimmte Unternehmen oder Jobservices von Drittanbietern – bei Twitter folgen, um in den Genuss von Stellenangeboten zu kommen. Und da es selbst dann quasi unmöglich ist, diese beständig wahrzunehmen bietet es sich an diese bei wieder anderen Anbietern, wie etwa jobtweet.de sammeln und auswerten zu lassen.

Nützliche Helfer beim Navigieren virtueller Welten

Wem die Pflege diver­ser Pro­file und Netz­werke zu viel ist, der sollte einige Syner­gien ausnutzen und unter­stützende Programme und Schnitt­stellen zu Hilfe nehmen. So lassen sich etwa von Twitter aus ganz einfach kurze Bei­träge auf Facebook und LinkedIn über­tragen und auch in XING kann man sich bequem eine Auswahl von Tweets zu bestimmten Schlag­wörtern innerhalb des eigenen Profils anzeigen lassen. Programme wie das kostenlose Tweet­deck stellen gleichzeitig die Neuigkeiten bei Twitter, Facebook, LinkedIn und weiteren sozial-medialen Applikationen dar. Tipps für die Einrichtung, Optimierung und Pflege diverser sozialer Netzwerke finden sich auch in den diversen Karriere- und Job-Blogs wie blogaboutjob, karrierebibel, spirofrog oder bewerberblog, um nur Einige zu nennen.

Worauf ist zu achten?

Wer ein karriereorientiertes soziales Netzwerk aufbauen möchte, sollte bei der Vernetzung mit anderen stärker auf Qualität denn auf Quantität achten – es gilt: „Klasse statt Masse“. Die reine Summe der Kontakte und „Freunde“ sagt wenig aus – gerade von Berufseinsteigern erwartet niemand Hunderte von geschäftlichen Kontakten. Dafür verwässert eine solche „Kontakthalde“ die positiven Schlüsse, die man aus den so dokumentierten Beziehungen ziehen könnte. Auch existiert eine gewisse „Schmerzgrenze“ an professionell orientierten Kontakten, die man glaubhaft pflegen kann, womit dann der Wert aller aufgeführten Verbindungen zweifelhaft wird. Vielen fällt es auch schwer, bei Kontaktanfragen „nein“ zu sagen, doch man sollte es sich lieber zweimal überlegen, bevor man Personen, die man nicht wirklich kennt als Referenz dient, nur um den „Kontakte-Count“ in die Höhe zu schrauben, als gäbe es einen Highscore zu knacken.

Summa Summarum

Soziale Medien werden weiterhin vor allem eines bleiben: sozial. Es geht nicht darum, überall sterile Profile und „berufstaugliche“ Präsentationen der eigenen wirtschaftlichen Relevanz zu erstellen. Authentizität bleibt ein ebenso großer Faktor – auch aus der Sicht der Personalverantwortlichen, die sich ebenso und in erster Linie ein „ganzheitliches“ Bild vom zukünftigen Arbeitnehmer machen wollen, dessen beruflichen Werdegang sie ja ohnehin bereits in Form einer Bewerbung vorliegen haben (oder einfordern können). Und falsche Angaben und Manipulationen fliegen in der Regel ohnehin mit katastrophalen Konsequenzen auf, bevor man „Probezeit“ sagen kann. Es ist auch keinesfalls so, dass man derzeit in bestimmten Netzwerken zur Förderung der eigenen beruflichen Aussichten unabdingbar präsent sein muss – es nicht zu sein bedeutet aber auf jeden Fall eine vergebene Chance, sich in ein positives Licht zu rücken.

Für die Unternehmen wird die Nutzung von Social Media auch in absehbarer Zeit keineswegs die bisherigen Rekrutierungskanäle ersetzen, auch wenn allgemein eine stark steigende Tendenz angenommen wird. Es bleibt eine ergänzende Strategie, die vor allem auf Gebieten gefahren werden wird, wo man Internet-affine Zielgruppen ansprechen möchte. Diese Ansprache wird dann auch immer stärker cross-mediale Züge annehmen, wobei der Arbeitgeber per „employer branding“ als attraktive Marke herausgestellt wird. Dies wird sich auch in den sozialen Netzwerken niederschlagen und die Unternehmen, die sich dabei besonders engagieren, werden auf der Suche nach den Besten im Markt sein – ein Grund mehr, sich rechtzeitig in Position zu bringen.