Die Landschaft der Online-Stellenmärkte: Teil II - Diverse ergänzende und Peripheriemärkte
Die Zersplitterung des deutschen Online-Stellenmarktes zeigt sich besonders deutlich in seinen "Randerscheinungen". Zur Beschreibung der Strukturen des Gesamtangebots wurden die Marktteilnehmer in diese 7 Segmente unterteilt: Generalisten, Fachstellenbörsen, Metasuchmaschinen, Jobsektionen auf allgemeinen Seiten, Social Media, Karriereseiten von Unternehmen und Diverses (siehe auch Part I).
In diesem zweiten Teil werden nun die letzten vier Gruppen behandelt, die erheblichen Anteil an der Undurchschaubarkeit der gesamten Materie haben. Die im folgenden behandelten Portale dienen ebenfalls zur Veröffentlichung von Stellenausschreibungen, allerdings nicht unbedingt als deren Hauptzweck oder auf von den "klassischen" Stellenbörsen her gewohnte Art und Weise.
4) Portale, die Stellenmärkte enthalten
Die unterschiedlichsten Portale im Internet enthalten Stellenmarkt-Sektionen. Viele davon bewegen sich auf dem Niveau von Kleinanzeigen-Sammlungen und verstehen sich auch oft als reine Service-Leistung bzw. Abrundung des Angebotes der jeweiligen Seite. Portale am oberen Ende dieser Skala sind bemerkenswerte Ausnahmen und weisen durchaus ernstzunehmende Stellenmärkte auf und das zumeist mit regionalem Bezug, wie etwa meinestadt.de oder das auf die rheinische Region spezialisierte Kalaydo.
Auch Business-Netzwerke wie XING oder LinkedIn enthalten Stellenmärkte, die von ihren Mitgliedern genutzt werden können und mittlerweile ein ansehnliches Volumen aufweisen. Hier liegen die Vorteile in den integrierten Matchingfunktionen, die bereits eine Auswahl an möglicherweise interessanten Stellenangeboten vorschlagen. Dabei werden aus den Profildaten der Teilnehmer Kriterien abgeleitet, die bestimmen, welche Stellenangebote den Mitgliedern vorgeschlagen werden. Dazu kommt noch die Möglichkeit, mit dem Ausschreibenden unmittelbar – auch informell – in Kontakt zu treten.
Weitere Plattformen wie kununu oder JobTV24 bieten in erster Linie Dienste, die die Unternehmermarke stärken sollen und eher nebenbei eine Verbindung zu ausgeschriebenen Stellen der dort präsentierten Unternehmen aufweisen. Diese eignen sich besser zu Recherche von Hintergründen und Firmendetails zu bereits anderweitig ermittelten Ausschreibungen.
5) Social Media
Die schöne neue Welt der Sozialen Netzwerke ist bislang mehr von den Arbeitgebern als von Stellensuchenden ins Blickfeld von Rekrutierungsanstrengungen genommen worden. Dies ist auch kaum verwunderlich, denn aufgrund ihrer Natur sind die sozialen Plattformen wie Facebook, die VZ-Gruppe, Lokalisten, Wer-kennt-wen etc. genauso wie diejenigen, die sich dort tummeln, darauf eingestellt, ihren kommunikativen und Freizeitinteressen nachzugehen. Arbeitgeber und Unternehmen, die hier umtriebig sind, werben in erster Linie für ihre Arbeitgebermarke und profilieren sich allgemein gegenüber potenziellen Bewerbern. Karriere-Sektionen in diesem Kontext entsprechen im Großen und Ganzen denjenigen auf „normalen“ Firmenseiten, die auf diese Weise weiteren Nutzern zugänglich gemacht werden sollen.
Am vielversprechendsten für die Stellensuche sind dabei noch diejenigen Dienste, die im Business-Bereich angesiedelt sind oder dort genutzt werden. Dabei wären in erster Linie die Business-Netzwerke wie XING oder LinkedIn zu nennen, die aber von vielen bereits nicht mehr zum Bereich der Sozialen Netzwerke im engeren Sinne gezählt werden. Gleiches gilt für den Mikroblogging-Dienst Twitter, der mittlerweile in erster Linie als frei konfigurierbarer Nachrichtendienst genutzt wird, über den sich auch Stellenausschreibungen verbreiten lassen. Um Stellenangebote per Twitter zu erhalten, kann man einerseits Unternehmen folgen, die ihre Vakanzen auf diese Weise veröffentlichen, oder den Twitterdiensten verschiedener Stellenbörsen. Am effektivsten lässt sich diese Quelle jedoch durch spezielle Twitter-Job-Suchmaschinen erschließen – wie etwa „jobtweet.de“.
Die besten Aussichten auf Vermittlung auf diesem Wege haben dabei Ausschreibungen, die den Sozialen Netzwerken und den dort aktiven Nutzern inhaltlich bereits sehr nahe stehen – der Junior Marketing Assistent wird hier bessere Chancen haben als der Entwicklungsingenieur.
6) Karriereseiten von Unternehmen
Viele Unternehmen verfügen über eine „Karriere-Sektion“ im Rahmen ihres Internet-Auftritts, wo sie auch ihre jeweils zu besetzenden Stellen ausschreiben. Es kann für Kandidtaen durchaus lohnenswert sein, bei den jeweiligen „Traumarbeitgebern“ virtuell vorbeizuschauen. Zu beachten ist dabei, dass oft dieselben Stellen über andere Portale ausgeschrieben wurden und das die Pflege des Firmenstellenmarktes stark variieren kann, so dass oftmals veraltete Angebote noch online sind – vor allem, wenn unterschiedliche Abteilungen für die Administration der Online-Präsenz zuständig sind.
Die viel offensichtlichere Schwierigkeit bei diesem Weg der Stellensuche ist allerdings, dass man schlichtweg gar nicht alle potenziellen Arbeitgeber überblicken kann und das kleinschrittige „Flattern von Blüte zu Blüte“ sehr arbeits- und zeitintensiv ist. Andererseits ist dies oft die einzige Art, bei Unternehmen unterzukommen, die in der Lage sind, ihren Personalbedarf weitgehend über diesen Kanal zu decken, da sie über einen enormen Bekanntheitsgrad (zumindest in ihrer Branche) verfügen.
7) Sonstige
7.1) Online-Präsenzen von Printmedien
Die Konkurrenz der Internet-Stellenmärkte hat auch die vormaligen Monopolisten auf diesem Gebiet – die Printmedien – dazu gebracht, ihre Stellenmarkt-Angebote auf den Online-Bereich auszudehnen. So gibt es mittlerweile eigentlich keine Zeitung ohne Online-Angebot mehr und dort finden sich auch die zuvor nur in gedruckter Form zugänglichen Stellenausschreibungen wieder. Im Ergebnis kann sich dies allerdings ganz unterschiedlich darstellen. Einige wiederholen hier lediglich die bereits gedruckten Stellenanzeigen, andere ergänzen diese um ausschließlich online abrufbare Ausschreibungen und wieder andere wie FAZjob.net oder Sueddeutsche.de haben sich zu eigenständigen Online-Stellenmärkten entwickelt, die sich mit den Generalisten messen.
Manchmal scheint die Wiedergabe der gedruckt erschienenen Anzeigen bestenfalls als schmückendes Beiwerk und zusätzliches Verkaufsargument für Printschaltungen zu dienen. Bei vielen Printmedien finden sich auch Kooperationen, die den Stellenmarkt von Generalisten wie Jobware oder stellenanzeigen.de integrieren. Für diese Stellenmärkte spricht der Zugang zu regionalen Angeboten, die sich sonst kaum online finden ließen.
Gerade bei Online-Stellenmärkten von Fachpublikationen haben die Printmedien ihr Know-how und Renommee erfolgreich in das Internet übertragen können, wie die Portale der VDI Nachrichten, der Computerwoche oder von heise jobs belegen. Hier kann man durchaus überdurchschnittliche Qualität feststellen, was sich auf große Teile von Verlagspräsenzen mit Stellenmärkten im Internet ausdehnen lässt, die oft ihren Mitbewerbern ohne diesen Hintergrund überlegen sind.
7.2) Karriere-Plattformen
Verschiedene Anbieter stellen ihre Portale als „Ort der Begegnung“ von Stellenanbietern und Arbeitsuchenden dar, wo Unternehmen sich präsentieren und Personalberater und Headhunter interessierte Bewerber ansprechen können. Der Nutzen für Stellensuchende schwankt dabei stark – in der Regel profitieren davon vor allem diejenigen, die ohnehin keine Probleme bei der Stellensuche oder lediglich die „Qual der Wahl“ haben. Auch die hier „pirschenden“ Headhunter sind natürlich nur an den besten fünf bis zehn Prozent der registrierten Arbeitnehmer interessiert, um ihren Unternehmenskunden Spitzenkandidaten präsentieren zu können. Und wenn der Hauptzweck eines solchen Portals vor allem die Stärkung der Arbeitgebermarke (employer brand) ist, dann versteht sich eigentlich von selbst, warum es für den Stellensuchenden nur eine nachgeordnete Option sein kann.